Das Schloß

Das sogenannte "Schloß" war natürlich nie eines, sondern wurde nur so im Dorf genannt, denn hier hat nie ein Fürst residiert. Unter diesem Kapitel wird die bauliche Geschichte des barocken Hofes ab ca. 1738 abgehandelt, die Vorgeschichte findet sich unter "Der Alte Hof".




Ausschnitt aus der Kurhannoverschen Landesaufnahme von 1776



Alt- und Neu-Bliestorf auf einer Karte von 1761


Der “Neue Hof” oder “Neu Bleystorff”

Mit jedem Besitzwechsel waren meißt ein neuer Plan zur Vergrößerung und Verschönerung der Gebäude und Anlagen verbunden. Barocker Repräsentationsanspruch forderte, ältere, manchmal bis ins ausgehende Mittelalter zurückreichende und unregelmäßig gruppierte Wohn- und Wirtschaftgebäude zu erneuern, zu ergänzen und symetrisch auf eine zentrale Zufahrtsachse hin zu ordenen. In Bliestorfs Fall war eine Erneuerung der Hofgebäude, die ja erst dreißig Jahre alt waren (von 1708)  noch nicht von Nöten, doch entsprach die Anlage des Alten Hofes nicht mehr den repräsentativen Ansprüchen der Familie von der Sode. 

So wurde im Zusammenhang mit der 1738 begonnenen Verkoppelung, um 1740 eine völlig neue Hofanlage mit Herrenhaus, Wirt­schafts­­gebäuden und Park vermutlich von Joseph Wilhelm Petrini (1691-1746) geplant und ausgeführt. Der „Neue Hof“ auch “Neu-Bliestorf” genannt, bestand aus acht großen Wirtschaftgebäuden und einem Verwalterhaus, die ein Rechteck bildend das Herrenhaus in ihrer Mitte umschlossen. Zu den Wirtschaftsgebäuden gehörte ein Brauhaus, Kuhstall, Schafstall, Pferdestall, Holländerei, u.a.. Daran schloß sich ein Lust- und Obstgarten an. Die Hauptachse nach der sich die ganze Anlage ausrichtete, wurde als Allee und Weiterführung der Hamburg-Lübecker Landstraße aus Richtung Krummesse kommend angelegt (heute Kastanien­allee). In diesem Zusammenhang wurde auch die alte Holländererei auf dem Grevenberg niedergelegt und in die neue Hofanlage integriert.

Wahrscheinlich war das Herrenhaus des Neuen Hofes ein schlichter zweigeschößiger Fachwerkbau mit Walmdach im hannoverschen Stil, ähnlich der Herrenhäuser in Niendorf am Schaalsee (gebaut 1724 von Otto Johann Müller *1692, † 1762) Groß Turow. Aus den Briefen Carl Friedrich von Rumohrs erfahren wir, dass schon 60 Jahre nach Erbauung des neuen Herrenhauses, das Haus wie der Garten in einem schlechten Zustand sind.

Aus dem Pachtvertrag von 1765 erfahren wir das der Rittmeister von der Sode das bisherige herrschaftliche Wohnhaus mit den beiden Gebäuden am Garten zu seinen privaten Zwecken behält und nicht verpachtet, auch ist die Rede von einem neu angelegten Garten.

Aus Rumohrs Briefen von 1811:

… In Bliestorf ist ein großer und hübscher Garten in dem ich jetzt bessere. Er war so verwildert. Eine geringe Anhöhe von Gebüsch eingeschlossen und mit Obstbäumen bepflanzt, (Randbemerkung: mit Wegen á la Conjola (Carl Conjola 1773-1831, Landschaftsmaler))

Wenn du im Stande bist, denke dir einen weitläufigen ganz vernachlässigten Hof in demselben ein gänzlich verfallenes Gebäude in dem eine Familie mit angenommenen und eigenen Kindern, zwei ledigen Geschwistern und vielem überflüssigem Gesinde, sonst noch der ganze Hof voll Tagedieb und Pensionärfamilien. Im Hause Kinderlärm der nie abreißt, drei vier vornehme Haushälterinnen und Kammerjungfern im vollen Staat beständig in den Wohnzimmern, so daß kein Wort zu reden ist, das sie nicht vernähmen. Uebrigens eine Decoration o! der Geschmack von diesem Landjunker thut mir noch am wehesten. denk dir eine kalthellblau gemusterte Tapete mit grellen Lichtern; darauf Oelgemälde (schlechte) zwei Portraits an der dunklen Wandseite und die Bilder so hoch das die Kinder nicht hineinschlagen können. Dann einen dunkelrothen Lappen über die Gardinen. brr. Ich hatte noch das schönste Quartier, das war vor 60 Jahren gemahlt worden und durch die edle Zeit bis auf die kreidigten Lichter gut in Harmonie gekommen. und dann ein langer viereckter Garten, der angefangen war in Ordnung zu bringen, aber 3/4 liegen geblieben; das einzige practicable Stück war durch heilloses Geschrei und Gestank einer Menagerie kleiner Jagdhunde verschönert. Apropos und an meinen Zimmern lag ein anmuthiger Teich, in dem die Quintessenz eines Misthaufens und einer noch schlimmeren Sache seit vielen Jahren abgeflossen war, und welcher bei diesjährigem anhaltend heißen Sommer herrlich fibrirte und weihroch; von Farbe ist er lieblich kaffeebraun. Und glaubst du wohl, dies abscheuliche Nest soll einen recht lieben Aufenthalt für mich geben, weil ich erst so weit gekommen bin, daß es mir geräumt wird. Ich trete es wieder an.


1812 wird das Haus nur noch von einem Verwalter und dem Gutsförster bewohnt. Die von Rumohrs residieren mittlerweile in Trenthorst.



Das Rondeshagener "Schloß"

Aus: Erinnerungen des dänischen Reiteroffiziers Christian Andreas Wind zum Feldzug von 1813 

Am 14. November 1813 kam das Regiment zum Schloß Rondeshagen, das einem Hammerstein gehört, aber es war nicht bewohnt, sondern alles war von dort fortgebracht worden. Wir richteten uns deshalb ein so gut wir konnten und trotz der prächtigen Zimmer, war es nicht viel besser als im Lager. Unser Lager war aus Stroh und unsere Kerzenhalter waren ausgehöhlte Kartoffeln. Aber der Hühnerhof war gut versorgt und ein Ochsenkopf Wein, den wir von den Franzosen bekamen, ließ uns die für einen Soldaten unnötigen Unbequemlichkeiten vergessen. Aber leider gehörten wir jetzt zur Brigade von Generalmajor von Lasson, und wir wußten, dass das nicht der Weg zu Sieg und Ehre war. Sein Quartier war auf Bliestorf und jeden Tag mußte ich einen endlosen Weg dorthin reiten, oft wegen der größten Nichtigkeiten.



Als 1832 von Schrader das Haus übernehmen, befindet es sich in einem derart schlechten Zustand, dass man sich entschließt, es 1840 abzureißen und ein neues, das heutige zu erbauen.

Leider sind auch keine der übrigen Gebäude der damaligen Hofanlage mehr erhalten geblieben, doch wurde der barocke Grundriss der Anlage auch von den späteren Besitzern beibehalten und dadurch blieb die ästhetische Einheit von Landwirt­schaft und feudaler Kultur, die man heute noch spüren kann weitgehend erhalten.

Noch in den dreißiger Jahren, als diese Luftaufnahme (s.u.) entstand sind der Pferde­stall (links) und der Schafstall (rechts) erhalten. Der größere Teil der alten Wirtschaft­gebäude ist 1903 vermutlich durch Brandstiftung vernichtet worden.




Rekonstruktion mit Hilfe einer Luftbildaufnahme aus den 30er Jahren und der Karte von 1776: in der Mitte der Standort des alten Herrenhauses, davor das neue Herrenhaus von 1843, rechts noch der alte Schafstall, hinten links der Kuhstall, hinten links das Verwalterhaus, vorne links der alte Pferdestall, daneben die Gärtnerei






Der alte Pferdestall: Ob, wie in Kastorf die Gutsscheunen von 1754, auch die Bliestorfer Gutscheunen ursprünglich die Aussenmauern massiv in Ziegel errichtet und nur noch die Giebelwände in Fachwerk ausgeführt wurden, läßt sich nicht mehr nachweisen. Da aber selbst das Gutshaus vermutlich nur ein Fachwerkbau war, werden wohl auch die übrigen Gebäude in Fachwerk errichtet worden sein und wurden wohl erst später durch von Schrader verbessert.



 

Der alte Schafstall von 1741: links 1950, rechts 1911, unten von der Seite; wurde von einer Fallbö 1978 stark beschädigt.







Das heutige Herrenhaus


1843 lies der damalige Gutsbesitzer und Oberforstmeister August Luis Detlev von Schrader (* 1827, † 1859) das heutige Herrenhaus im Schweizer Stil erbauen.



 
Rückseite des Herrenhauses 1913




Seitenansicht des Herrenhauses 1915




Vorderfront des Herrenhauses 1915




www.Herrenhausgutbliestorf.de